Neubesetzung an der Spitze der Kulturbehörde

Jens P. Meyer äußert sich zu den Fragen über die Nachfolge der viel zu früh verstorbenen ehemaligen Kultursenatorin Barbara Kisseler:

 

1. Was muss Ihrer Meinung nach der/die neue Kultursenator/in können? Über welche besonderen Fähigkeiten muss er/sie verfügen? Sollte der/die Neue eher aus Hamburg stammen und damit mit der Kulturszene vertraut sein? Oder wäre es besser, wenn er/sie wie Frau Kisseler von auswärts kommt und damit einen frischen Blick auf die Kultur hätte?

 

Die Nachbesetzung der in der vergangenen Woche verstorbenen und über Parteigrenzen hinaus anerkannten Kultursenatorin Barbara Kisseler wird eine schwierige Aufgabe. Durch ihre herausragende Kompetenz und exzellente Vernetzung in der Kulturszene, ihren Mut und Ausdauer mit der sie große Namen wie Kent Nagano nach Hamburg holte, hat Barbara Kisseler die Messlatte hoch gelegt.

Bedauerlich finde ich die frühe Festlegung darauf, dass zwingend eine Frau ernannt werden muss. So lehnt der Senat Kandidaten ab, ohne ihre Kompetenz und Eignung für dieses wichtige Amt zu prüfen. Der/die Kultursenator/in muss neben fundierten Fachkenntnissen von der Kulturszene anerkannt sein um den Dialog zwischen der Szene und der Politik zu befördern. Ebenso wünschen wir uns eine Personalie, die die Vielfalt der Hamburgischen Kunst- und Kulturszene vorantreibt und Hamburg als internationaler Kulturstandort ausbaut. 

 

2. Mit der Eröffnung der Elbphilharmonie dürfte das größte «kulturelle» Thema der vergangenen Jahre abgeschlossen sein. Wo sehen Sie die nächsten wichtigen Kulturthemen bzw. Baustellen im Kulturbetrieb? Was muss der/die neue Kultursenator/in unbedingt sofort anpacken?

Die Elbphiharmonie wird eng mit der Person Barbara Kisselers verbunden bleiben. Der/die neue Kultursenator/in hat allerdings die Hände voll zu tun. Mit dem Hafenmuseum steht das nächste große Kulturprojekt in der Startlöchern, bei dem die Fehler der Elbphilharmonie auf keinen Fall wiederholt werden dürfen. Das Denkmalschutzgesetz gehört, nach dem Debakel um den bevorstehenden Abriss der denkmalgeschützten Cityhof-Häuser, dringend novelliert.

Ein Evergreen im Kulturbereich ist eine auskömmliche Finanzierung, die den Wert der Kunst für die Stadt Hamburg als Kulturstandort widerspiegelt. Eine große Herausforderung, die nicht nur Hamburg betrifft, ist die Heranführung neuer Bevölkerungsgruppen und junger Menschen an kulturelle Angebote. Hierbei kann Hamburg mit einer pulsierenden Szene junger Künstler und einer international bekannten Poetry-Slam-Szene punkten und das Kulturangebot der Stadt erweitern.

 

3. Wir wollen hier jetzt nicht über Namen spekulieren: Aber haben Sie vielleicht trotzdem einen Wunschkandidaten, den Sie nennen können? 

Die bereits in der Presse genannten Namen Isabelle Vértes-Schütter und Casten Brosda sind fachlich sicher geeignete Kandidaten. Jedoch sollte bei der Auswahl des/r nächsten Kultursenators/in der Blick nicht auf das Parteibuch beschränkt bleiben. Um die Freiheit der Kunst zu schützen, sollte Kulturpolitik nicht parteipolitisch eingefärbt sein. Deshalb ist eine parteiunabhängige Personalie mit Durchsetzungsvermögen gefragt. Um die beste Personalie mit neuen Ideen für die Förderung der Hansestadt als internationale Kunst- und Kulturstadt zu finden, lohnt sich der Blick über Hamburg hinaus.

 

 

Den Artikel aus der Bild finden Sie hier,  den ausführlichen Bericht aus dem Abendblatt hier.